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11.02.19 13:19

Dreck und Mief und glückliche Jahre

 

Es ist das Jahr 2004, da hörte Gerhard Ziebarth im Verein „ChemieFreunde Erkner“ eine lustige Schilderung. Es ging um einen Streich, der in schöner Regelmäßigkeit mit den Lehrlingen im Teerwerk Erkner gespielt wurde. Zwar fand er selbst den Schabernack gar nicht lustig, aber daraus resultierend kam ihm eine Idee. Es gibt so viele Episoden, Schilderungen und Anekdoten in Verbindung mit dem Teerwerk, die müsste man eigentlich mal notieren. Denn irgendwann werden diese in Vergessenheit geraten, weil die Menschen nicht mehr sind, die über das Teerwerk berichten können. Und so begann Gerhard Ziebarth Interviews zu führen. Innerhalb von drei Jahren hat er 35 Gespräche geführt. „Und eigentlich gab es da anfangs nur die Idee, diese Gespräche zu archivieren. Das entstandene Material zu sammeln“, erzählt der Erkneraner. Bis eine Interviewpartnerin scherzhaft eines Tages mal fragte, was er denn mit all' den Gesprächen machen wolle: „Vielleicht ein Buch herausbringen?“
Nun ist es da und kann im Buchhandel gekauft werden. „Dreck und Mief und glückliche Jahre, Arbeiten und Leben mit dem Teerwerk Erkner“ heißt das umfangreiche Werk. Herausgegeben wurde es als viertes Buch im Berliner Verlag Die Mark Brandenburg. In dem Buch geht es natürlich vorrangig um das Teerwerk. Einstige Angestellte, von der Küchenhilfe bis zum Ingenieur für Verfahrenstechnik, von der Chefsekretärin bis zum Chemiker, vom Schlosser bis zum Kesselwärter, schildern die Gesprächspartner insgesamt sehr viel aus ihrem Leben. Wie war denn der Alltag in der DDR, speziell in Erkner? Berichtet wird in den Gesprächen, die alle in Monologform aufgezeichnet sind, also ohne Zwischenfragen, so auch über die Betriebsfeiern, ihre Urlaubsplanungen oder über die eingeschworene Gemeinschaft der Betriebsfeuerwehr. Und damit wird dieses Buch zu einem Zeitdokument.
Dennoch steht im Mittelpunkt jeder Schilderung stets das Teerwerk, welches im Jahre 1993 abgerissen wurde. Schonungslos berichten die Gesprächspartner von einst, auch über das völlig veraltete Produktionsverfahren, eine völlig überholte Technik oder auch von den Problemen bei der Beschaffung von Ersatzteilen. Immer schwingt auch der Stolz mit, es doch geschafft zu haben und die Produktion im Teerwerk am Laufen zu halten. Und wer nun glaubt, so ein Monolog sei langweilig, der irrt gewaltig. Schonungslos berichten die einstigen Mitarbeiter z. B. über Unfälle, über den Naphtalin-Brand vom 7. April 1970 oder auch vom eisigen Jahreswechsel 1978/79.
Autor Gerhard Ziebarth (Jahrgang 1936 und selbst promovierter Chemiker) wird in den kommenden Monaten in Erkner und Umgebung einige Buchpräsentationen/-lesungen durchführen. Wer bis dahin nicht warten möchte, dem sei das Buch „Dreck und Mief und glückliche Jahre, Arbeiten und Leben mit dem Teerwerk Erkner“, aus dem Verlag Die Mark Brandenburg, sehr zu empfehlen. Das Buch kostet 24,80 Euro, hat 376 Seiten mit einigen Fotos und einem Abkürzungsverzeichnis, welches sehr zum Verständnis beiträgt. Das Werk ist nun im Buchhandel erhältlich. Die ISBN lautet 978-3-910134-92-8.