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5.04.19 11:27

24. Erkneraner Heft

 

Rudi Leikies ist ein Urgestein der Bahnhofsiedlung. Geboren wurde er allerdings keineswegs in Erkner, sondern in Amsterdam im Jahre 1938. Er ist zweisprachig aufgewachsen und bereits schon als Schüler wurde in ihm das Interesse für Geografie und Geschichte geweckt.
Im Jahre 1951 kam seine Mutter mit ihm nach Erkner. In dieser Gemeinde hatte sie bereits 1920 gelebt, besaß seitdem in Erkner Wohnraum und hatte in der Gemeindeverwaltung gearbeitet. Und so kehrte der damals 13-jährige Rudi Leikies mitten hinein in die Geschichte. Denn der Zweite Weltkrieg hatte seine tiefen Narben hier in Erkner hinterlassen, was für die Kinder damals zum Alltag dazugehörte und teilweise auch ein großer Abenteuerspielplatz war.
Seither ist Rudi Leikies eng mit Erkner, aber vor allem mit der Bahnhofsiedlung, verbunden. Er lernte hier seine Gabriele kennen und seit 58 Jahren sind die beiden verheiratet.  Und so kam es eines Tages, dass Rudi Leikies den Dachboden einer alten Waschküche aufräumte und dabei viel historisches Material fand. U. a. sechs eng beschriebene Tagebücher in der Größe A8 seines Großonkels Max Müller. Akribisch hat Max Müller alles notiert und gesammelt (u. a. alte Fahrscheine). Neben den klassischen Tagebuchaufzeichnungen wurde korrekt aufgelistet, mit wem er z. B. im Briefwechsel stand.
Was vielleicht als kleine, liebenswerte Marotte gilt, freut die Nachwelt. Denn nun 100 Jahre nach Gründung der Siedlungsgenossenschaft „Eigenheim“ G. m. b. H. Erkner  sind die Notizen von Max Müller ein Beleg dafür, mit welchem Mut die Siedler  in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ans Werk gingen, um ihre Häuser zu schaffen.  Die Bahnhofsiedlung entstand auf einem Stück märkischen Kiefernwaldes und aus den Jagen 2 und 3 des Köpenicker Forstes.
Max Müller bemerkte immer wieder, dass eigentlich für den Hausbau gar kein Geld vorhanden war und dennoch das Projekt in Angriff genommen wurde. Dazu gehört letztlich eine gehörige Portion Mut. Aber genau für Personen, wie Max Müller, wurde die Siedlungsgenossenschaft gegründet.  Im 2. Punkt der Satzung heißt es nämlich: „Der Zweck der Genossenschaft ist ausschließlich darauf gerichtet, minderbemittelten Familien oder Personen gesunde und zweckmäßige eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen.“  Max Müller schilderte mehrmals, welch' ein Kampf es war, stets die Finanzierung der Parzelle zu gewährleisten.
Nördlich des Bahnhofs entstand eine einzigartige Mustersiedlung. Für diese wurden 300 Kiefern gerodet und aus dem sandigen Waldboden mittels Dung und Torf fruchtbares Gartenland gemacht.
Aus den gefundenen Tagebuch-Aufzeichnungen schuf Rudi Leikies nun das 24. Erkneraner Heft mit dem Titel „Max Müller – einer der Ersten in der Bahnhofsiedlung“– Aus seinem Tagebuch.“ Mit dieser enormen Fleißarbeit, die in diesem Heft steckt, bringt der Autor die Sorgen, Nöte und Probleme der damaligen Zeit dem Leser näher. Aber auch den Mut und die aufgebrachte Kraft, die hinter dem Bahnhofsiedlungsprojekt steckt, werden deutlich.
Das 24. Erkneraner Heft von Rudi Leikies  „Max Müller – einer der Ersten in der Bahnhofsiedlung –Aus seinem Tagebuch“, herausgegeben vom Heimatverein Erkner e. V., ist für zwei Euro im Heimatmuseum, an der Heinrich-Heine-Straße 17/18, erhältlich.