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14.08.19 18:29

Informationsveran-staltung zum Grundschulstandort

 

Roland Fröhlich von der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (B.B.S.M. mbH) brachte es eingangs auf den Punkt: „Jahrelang hieß es in Prognosen auf Landesebene, in Erkner ist kein Zuzug zu erwarten. Die Einwohnerzahl wird bei 11 800 stehen bleiben oder laut der demographischen Entwicklung im Land Brandenburg sogar schrumpfen.“ Auf der Informationsveranstaltung am Dienstagabend zum möglichen Standort einer neuen Grundschule äußerte sich der Fachmann aus Potsdam anders. „Seit 2017 gibt es einen deutlichen Anstieg der Einwohnerzahl. Brachen werden zu Wohnbauflächen, Baulückenschließung oder Bauen in der zweiten Reihe führt dazu, dass es in den kommenden Jahren einen Zuzug geben wird. Die Prognose liegt nun bei einer zu erwartenden Einwohnerzahl von 12 800 Menschen.“
   
Roland Fröhlich, der die Stadt Erkner seit ca. zehn Jahren in solchen Dingen berät und Fakten analysiert, rechnet aktuell mit dem Bau von 265, bis zum Jahre 2030 sogar mit 600 neuen Wohnungen. Der Fachmann schätzt ein, viele ältere Bewohner werden von ihrer größeren Wohnung in kleinere Räumlichkeiten ziehen. Vor allem aber junge Familien zieht es in den Randberliner Bereich und was zuerst als Nachwuchs im Kindergarten betreut wird, kommt eines Tages in die Grundschule.
  
Derzeit werden in der Löcknitz-Grundschule Schüler der 1. bis 6. Klasse in 24 Klassen unterrichtet. Damit ist die Kapazitätsgrenze für diese schule erreicht. Wenn aber die zu erwartende Kita-Kinderzahl in die Schule kommt, dann werden in absehbarer Zeit Klassenräume für 33 Klassen benötigt. Aus diesem Grund plant die Stadtverwaltung den Bau einer neuen Grundschule. Auch mit dem Hintergedanken, bessere Rahmenbedingungen für die Löcknitz-Grundschule zu schaffen.
  
Wie Clemens Wolter, Geschäftsbereichsleiter Ordnung, Umwelt, Bau, Liegenschaften und Stadtplanung in der Stadtverwaltung Erkner, auf der Veranstaltung vor geschätzten 180 Zuhörerinnen und Zuhörern, darunter Anwohnerinnen und Anwohner, Interessierte, Lehrerinnen und Lehrer sowie Mitglieder des Jugendbeirates erklärte, geht es um eine relativ schnelle Lösung. Für eine rasche Realisierung kam kein Flächenankauf in Betracht und so wurden Gebiete gesucht, die sich im Eigentum der Stadt befinden. Vier Areale kamen in die engere Auswahl, zwei vorgeprüfte und machbare Standorte wurden nun öffentlich vorgestellt. Der eine Standort befindet sich in direkter Nachbarschaft zur MORUS-Oberschule. Vorteile wären an dieser Stelle: bei einem vom Landkreis Oder-Spree geplanten Ausbau der Oberschule zur Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe könnte eine Sporthalle gemeinsam genutzt werden. Hortplätze sind in der Kita „Knirpsenhausen“ schon mal vorrätig. Auf der zur Verfügung stehenden Fläche wären ein dreigeschossiges Grundschulgebäude, neben einer viergeschossigen Gesamtschule möglich. Die Lage ist sehr zentral. Die Busanbindung ideal. Der Hol- und Bringeverkehr durch die Eltern ist von mehreren Seiten möglich. Diese Variante wäre auch kostengünstig im Vergleich zur zweiten Variante. Aber: Die Verkehrsbelastung in diesem Gebiet ist jetzt schon enorm hoch. Nachteile sind zudem die räumliche Trennung von Schule und den Hortplätzen in der Kita „Knirpsenhausen“ sowie zwischen Schule und Sporthalle.
  
Der zweite Standort befindet sich in der Bahnhofsiedlung am Rund. Dort ist in unmittelbarer Nachbarschaft zur Allgemeinen Förderschule reichlich Platz vorhanden. Zu dem Bau eines zwei- bis dreigeschossigen Schulgebäudes kämen aber auch eine kleine Sporthalle und größere Räumlichkeiten für den Hortbereich hinzu. Damit wäre diese Variante möglicherweise kostenintensiver. Neue Busanbindungen sollen nicht geschaffen werden. Ein Verkehrskonzept und damit einhergehend eine Einbahnstraßenregelung sind zu bedenken. Letztlich sollen nach dem Prinzip „Kurze Beine, kurze Wege“ vor allem die Kinder aus dem Siedlungsbereich nördlich ab dem Flakenfließ in die neue Grundschule gehen. Architektonisch könnten die neuen Gebäude so platziert werden, dass von der Bebauung optisch nicht viel zu sehen ist, da sich die Baukörper an die grüne Umgebung anpassen würden. Ein ganz großer Vorteil dieser Variante wäre die Entzerrung des Schülerverkehrs aus dem Stadtzentrum und damit einhergehend die Aufwertung der Bahnhofsiedlung mit einer öffentlichen Einrichtung und neugestalteten Außenanlagen, da es sich bei der Bahnhofsiedlung derzeit um eine reine Wohnsiedlung handelt.
  
Diese beiden Varianten stehen im Raum und so hatten die Erkneranerinnen und Erkneraner dann die Gelegenheit, ihre Meinungen zu äußern und Fragen zu den beiden Standorten an die Vertreter der Verwaltung zu stellen. Wann muss die Schule fertiggestellt sein? Müssen Bäume gefällt werden? Wo leben mehr Kinder in der Stadt, im Norden oder im Süden? Könnte man nicht auch neben dem Carl-Bechstein-Gymnasium bauen, wo jetzt ein Denkmal steht? wurden u. a. gefragt.
  
Zahlreiche Stadtverordnete waren unter den Anwesenden. Sie werden sich in den kommenden Monaten intensiv mit der Standortsuche beschäftigen. Alle Fragen, die die Besucherinnen und Besucher der Informationsveranstaltung gestellt haben, werden auch auf den Tisch der Stadtverordneten kommen. Bürgermeister Henryk Pilz, der den Abend souverän moderierte, gab auch gleich ein zeitliches Ziel mit auf den Weg: „Ende des Jahres müssen wir die Standortfrage geklärt haben, um im Schuljahr 2023/2024 die neue Grundschule an den Start gehen zu lassen. Der Zeitrahmen ist eng bemessen, deshalb müssen wir gemeinsam zügig an dem Projekt arbeiten. Der gesamte Prozess wird weiterhin mit voller Transparenz bearbeitet.“
  
Wer noch Hinweise und Anregungen hat, der kann sich gern an die Stadtverwaltung, Bereich Öffentlichkeit, Daniela Sell unter der E-Mail sell@erkner.de mit dem Betreff „Schulstandort“ wenden.