< Das Sandmännchen in Erkner
21.01.2020 10:01 Alter: 38 days

Kunstauktion im Gerhart-Hauptmann-Museum


Der Arm mit der Bieterkarte reckt sich. Der Auktionator sieht es, wartet einen kleinen Augenblick. Kein weiteres Angebot macht im Saal die Runde und so erklingt der Spruch: „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten.“ Der Hammer fällt und ein Gemälde, eine Zeichnung oder Grafik wechselt so am Sonntagnachmittag den Besitzer. Zum zweiten Mal war das Leipziger Buch- und Kunstantiquariat zu Gast im Gerhart-Hauptmann-Museum. Und hatte zur großen Kunstauktion geladen.

Ob man „nur“ seinen Spaß haben wollte, einfach mal sich so eine Versteigerung mit eigenen Augen ansehen oder gar mitbieten wollte, egal aus welchen Gründen, das Interesse war auch in diesem Jahr enorm groß bei den ca. 100 Besuchern. Standen doch in Erkner Werke namhafter Künstler auf der Auktionsliste, wie Wolfgang Mattheuer, Max Klinger, Werner Tübke, Jouan Miro, Marc Chagall oder gar vom Schauspieler Armin Müller-Stahl. Aber auch für Arbeiten von Joseph Beuys, Bernhard Heisig, Wassily Kandinsky, Henri Matisse, Arno Mohr, Pablo Picasso und Heinrich Zille galt es einen neuen Eigentümer zu finden. Sogar ein limitiertes Ausstellungsplakat eines weiblichen Modells von Modeschöpfer Wolfgang Joop stand zum Verkauf.  Insgesamt 76 Werke gab es zur Auswahl und konnten bereits vier Stunden vor dem Versteigerungstermin besichtigt werden.

Auktionator und Kunsthändler Michael Ulbricht vertritt die Meinung: „Beim Kunsterwerb sollen es immer Freude, die Begeisterung und das ständig durch einfühlsames Sehen und Fortbildung gesteigertes Interesse an dem ideellen und (materiellen!) Werten sein, die einen veranlassen, bei einer Auktion erfolgreich zu sein. Kunst zu sammeln kann eine Lust in vielerlei Hinsicht sein: Sie erweitert den Horizont, relativiert Alltagsroutine  und öffnet neue gesellschaftliche Kreise und nicht zuletzt das Glücksgefühl, ein Objekt der Begierde in seinen Besitz gebracht zu haben.“

Für immerhin 30 Euro gingen Siebdrucke mit frechen Sprüchen von Joseph Beuys weg. Für einen Kandinsky musste da schon 1500 Euro auf den Tisch gelegt werden. Das teuerste Bild des Nachmittags war die Lithographie „Anemonen“ von Erich Heckel.  Für 1800 Euro wechselte es den Besitzer. Wobei, dies nicht der Endpreis ist. Denn auf diesen Preis kommt ein Aufschlag von 15 Prozent. Dieses Geld kommt dem Veranstaltungsort, dem Gerhart-Hauptmann-Museum, zugute. Mit dieser Auktions-Unterstützung könnte in diesem Jahr der Roman „Die Insel der großen Mutter“ aus dem Jahre 1920 neu aufgelegt werden. Es handelt sich dabei um den dritten Roman des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann. Museumsleiter Stefan Rohlfs erklärt dazu: „Bereits zu Lebzeiten Hauptmanns hat die Künstlerin Charlotte E. Pauly  20 Blätter speziell für diesen Roman erarbeitet. Diese Illustrationen legte sie Hauptmann auch vor. Aber durch die Kriegswirren  ist es nie dazu gekommen, den Roman mit diesen Illustrationen aufzulegen. Dies möchten wir jetzt erstmals machen.“

Zu den rund 100 Besuchern der Kunstauktion gehörten einige Erkneraner. „Der größte Teil wird aber aus Berlin gewesen sein“, schätzt Stefan Rohlfs ein.  Es gibt auch einige Gäste, die dem Auktionator zu seinen Versteigerungen regelrecht hinterherreisen, so der Museumsleiter. Sehr wohlwollend hat er zur Kenntnis genommen, dass Kunsthändler Michael Ulbricht gern auch ein drittes Mal kommen würde. Dies wäre dann im Januar 2021.