Mehr als ein Dichter – Heinrich Böll
Der Nobelpreisträger für Literatur (1972) war nicht nur einer der wichtigsten Nachkriegsschriftsteller im geteilten Deutschland, auch sein politisches Engagement machte ihn zu einer wirkungsvollen öffentlichen Person. In der Ära Adenauer profilierte er sich als Widerpart zum konservativen Kanzler und schärfte damit sein linksintellektuelles Profil. Seine Romane sorgten nicht selten für innenpolitische Skandale. Insbesondere beschäftigte er sich mit der Berichterstattung der Springer-Presse, die er scharf angriff. An Bölls Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum zeigt sich, wie der Einfluss der Medien lange vor dem Internet rufschädigend wirken kann. Heinrich Böll, der durch seine Kriegserfahrungen ein vehementer Vertreter des Friedens war und aktiv in der Friedensbewegung mitwirkte, kam durch die Springer-Presse in den Verruf Terrorist zu sein. Er musste einer beispiellosen Verleumdungskampagne der Springer-Presse standhalten und tat das mit seinen Mitteln – er schrieb darüber eine Erzählung. Ein Lehrstück über die Skrupellosigkeit der Boulevardmedien, das auch heute noch seine Gültigkeit hat.
Der Filmvortrag von Dr. Katrin Sell (cinephil) will an das wechselvolle Leben dieses Künstlers, der auch immer Zeitzeuge war, erinnern.
Mit anschließender Filmvorführung: Die verlorene Ehre der Katharina Blum (BRD 1975)

