Ein Klangjuwel mit 88 "verkauften" tasten
In diesem Jahr erinnert Erkner aus Anlass des 200. Geburtstages an den Klavierbauer Carl Bechstein. Er hat in der Stadt viele Spuren hinterlassen: seine Sommervilla (das heutige Rathaus), den durch ihn angelegten Rathauspark, das Grundstück für den Bau der Genezareth-Kirche, sowie deren Orgel und die drei Glocken im Turm.
An Carl Bechstein erinnert aber auch der große Konzertflügel, Modell B im Bürgersaal des Rathauses. 1908 erbaut, kam er ein Jahr später in den Besitz von Hofrat Friedrich Wilhelm von Jagow, wohnhaft in Wilmersdorf. Dieser zog nach seiner Heirat im Jahre 1923 in die Erkneraner Löcknitzstraße 10 und nach dem Tod erbte sein Adoptivsohn Robert das Instrument. So zog der Flügel in die Bismarckstraße, heutige Karl-Tietz-Straße 1, um. Beim Bombenangriff am 8. März 1944 blieb der Flügel unbeschädigt. Ab 1944 wurde der Flügel in mehreren Schulen genutzt und wechselte somit immer wieder den Standort.
Im März 2000 nutzte Dr. Bernd Rühle, damaliger Museumsdirektor des Gerhart-Hauptmann-Museums, die Gelegenheit rund um den 100. Todestag von Carl Bechstein und machte auf den inzwischen schlechten Zustand des Instruments aufmerksam. Der Flügel war laut Gutachter in seiner Substanz erhaltenswert, aber durch die Spuren der vergangenen Jahre stark beschädigt und dringend reparaturbedürftig. Die Kosten für die Reparatur des Flügels wurden auf ca. 30.000 DM geschätzt.
Die ersten 10.000 DM kamen zusammen. Um die restliche Finanzierung zu stemmen, kam der damalige Bürgermeister Joachim Schulze im Juli 2001 auf die Idee, die 88 Tasten des Klangjuwels symbolisch für 227 DM zu "verkaufen". Zusätzliche Gelder konnten durch Erlöse von Vorträgen, Sommerfesten und weiteren Spenden gewonnen werden. Letztlich kam so die Summe von 34.000 DM für die Restaurierung zusammen. Nach weiteren sechs Monaten kehrte der Bechstein-Flügel generalüberholt nach Erkner zurück und steht seit August 2004 im Bürgersaal des Rathauses.
Als Dank und Erinnerung an die Spendenden, befand sich im Heimatmuseum bisher eine Klaviatur mit den 88 Tasten, auf denen die Namen der Wohltätigen aufgelistet waren. Aus Anlass des 200. Geburtstages von Carl Bechstein wurde nun während der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit im Bürgersaal eine neue Klaviatur enthüllt. Dabei sind nicht nur die Spenden gut sichtbar zu lesen, sondern auch der Anlass.
Für das Heimatmuseum am Sonnenluch wurde eine Mini-Ausgabe produziert und an den Vorsitzenden des Heimatvereins Erkner e.V., Hans-Peter Hendriks, überreicht.

