"Gerhart Hauptmann ist schuld!"
Der Titel der Ausstellung "Gerhart Hauptmann ist schuld!" ist provokant, aber zugleich verlockend. Nicht nur dieser Ausstellungstitel, sondern auch die Tatsache, dass es eine Zusammenarbeit zwischen dem Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner und dem Kulturhistorischen Verein Friedrichshagen e. V. gab - zog das Publikum an. Eine auf drei Stunden angesetzte Vernissage, mit Lesungen, Gesprächen und Buchvorstellung begeisterte das wahrlich interessierte Publikum.
Natürlich geht es in der neuen Ausstellung im Dichterkreis Museum hauptsächlich um den Schriftsteller Gerhart Hauptmann, aber natürlich auch um seine früheren Wegbegleiter, den sogenannten Friedrichshagenern. Vor allem räumt die Ausstellung mit so manch beharrlich festsitzenden Falschaussage auf. Hauptmann hat nie in Friedrichshagen gelebt. Auch seine frühen Friedrichshagener Wegbegleiter, wohnten zum Zeitpunkt als der junge Hauptmann in Erkner wohnte, ebenfalls nicht in dem kleinen Ort am Müggelsee. Diese Gemeinschaft, die als Friedrichshagener Dichterkreis bekannt wurde, besuchte gern Hauptmann in Erkner. Sie lernten die Natur lieben und schätzen und suchten sich später Wohnraum in Friedrichshagen, wie Bruno Wille, die Brüder Heinrich und Julius Hart, Wilhelm Bölsche, Wilhelm Spohr, Peter Hille und Else Lasker-Schüler, sowie Hugo Höppner (genannt Fidus). Als diese jungen Autoren und Theaterreformer sich in Friedrichshagen niederließen, war Hauptmann längst aus Erkner wieder weg. Aber und dies ist entscheidend: die Verbindung blieb. In der Zeitschrift "Freie Bühne", die Wilhelm Bölsche betreute, wurden Werke von Hauptmann abgedruckt. 1889 gründete sich der Verein "Freie Bühne", der es sich zur Aufgabe machte, moderne Theaterstücke zeitgenössischer Autoren aufzuführen. So kam es zur ersten Aufführung von Gerhart Hauptmanns "Vor Sonnenaufgang". Die Friedrichshagener, wie Bölsche, Wille oder Laura Marholm rezensierten die Dramen und Aufführungen und machten so den Schriftsteller ein Stück weit auch bekannt. Übrigens: Nach Friedrichshagen ging Hauptmann nur der Friseurbesuche wegen zu Meister Grätz in die Scharnweberstraße, weil es in Erkner keinen Friseur gab.
Nun ist es also andersherum: Nun kommt Hauptmann per Ausstellung von Erkner ins Dichterkreis-Museum. Auf informativen Tafeln gibt es Wissenswertes über den Literaturnobelpreisträger zu erfahren, aber vor allem natürlich auch über die Friedrichshagener. Ab 1890 zogen Wille, Bölsche die Gebrüder Hart, der Publizist und Verleger Hermann Teistler und viele andere an den Müggelsee. Der kleine Ort wurde durch diesen Zuzug zum Anziehungspunkt für rebellische, literarische und künstlerische Persönlichkeiten aus Deutschland, aber auch aus dem europäischen Ausland, wie Christian Morgenstern, Ola Hansson, Laura Marholm und August Strindberg. Nach drei Jahren intensivsten Miteinanders begann der Kreis sich aufzulösen.
Die Ausstellung "Gerhart Hauptmann ist schuld!" widmet sich hauptsächlich dem bekannten Schriftsteller, seinem Leben, seinen Veröffentlichungen, Aufführungen und auch den Verfilmungen. In Ausstellungsvitrinen sind zudem Leihgaben aus dem Erkneraner Museum zu sehen. Zudem widmet sich eine Schautafel der Künstlerin Charlotte E. Pauly. Sie kannte den Literaten zu Lebzeiten und schuf später ein großes Bildnis für das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Friedrichshagen. Und natürlich geht es in der Ausstellung auch um das Bemühen ein würdiges Hauptmann-Museum zu schaffen und warum die Einrichtung in Erkner aktuell geschlossen ist.
Die Ausstellung "Gerhart Hauptmann ist schuld!" ist mittwochs, donnerstags und freitags von 12:00 bis 18:00 Uhr im Dichterkreis-Museum / Antiquariat Brandel in der Scharnweberstraße 59 in Berlin-Friedrichshagen bis zum Jahresende zu erleben. Gruppen werden gebeten sich vorab anzumelden unter Telefon +49 30 64 11 160. Den eigens aus Anlass dieser Ausstellung aufgelegten Band "Sonnenaufgang in Erkner, Gerhart Hauptmann und seine Webbegleiter aus dem Friedrichshagener Dichterkreis", herausgegeben von Lars-Broder Keil und Stefan Rohlfs, ist in der Verwaltung des Gerhart-Hauptmann-Museums, Friedrichstraße 67, in Erkner für 20,00 € käuflich zu erwerben.


